Einzelhaltung eines Kaninchens mit einem Meerschweinchen

Leider ist es immer noch gängige Praxis, dass die Kombination einzelnes Kaninchen mit einzelnem Meerschweinchen als ideal angesehen wird. Die Kombination wird aus vielerlei Gründen zusammengehalten:

  • Oft wird dieses im Zoofachhandel von „fachkundigen“ Zooverkäufern empfohlen.
    Dies sieht von außen dann wie eine innige Freundschaft aus, aber es ist nur eine Zweck- und Notgemeinschaft , weil kein eigener Artgenosse zur Verfügung steht.
    Es wird oft behauptet, dass man so eine Einzelhaltung umgeht. Es bleibt trotzdem eine Einzelhaltung! Der Kontakt zu einem artfremden Tier kann niemals den Sozialkontakt zum eigenen Artgenossen ersetzen.
    Anmerkung:
    Vergleichbar wäre es einen Menschen mit einem Gorilla in eine kleine Wohnung zu sperren.
  • Häufig wird argumentiert, dass man sich so die Kastration von Rammlern und Böcken sparen kann.
    In der Regel sollte ein Rammler mit Eintritt der Geschlechtsreife trotzdem kastriert werden, da die meisten Tiere mit ihrem streng riechenden Urin alles anpinkeln, um zu markieren.
  • Ein weiterer Grund ist, es wird die Meinung vertreten, dass man einen kleineren Käfig kaufen kann, der für zwei Kaninchen zu klein wäre.
    Hinweis:
    Die konventionellen Käfige, die anscheinend bei dieser Kombination passend wären, sind generell schon für ein einzelnes Tier viel zu klein!
  • Man könne so die – teilweise recht ruppigen – Zusammenführungen der Artgenossen untereinander umgehen.
    Die Zusammenführung von Meerschweinchen und Kaninchen ist vielleicht bequem, aber nicht tiergerecht. Meerschweinchen sind Kaninchen körperlich generell unterlegen und bei Kämpfen, die auch artfremde Tiere miteinander austragen, kann es zu den bösesten Verletzungen bis hin zum Tod kommen.

Es wird von diversen Haltern, Zoogeschäften, Tierärzten und Züchtern als die ideale Kombination propagiert, weil es schon seit Jahren so praktiziert wird.

Fazit:
Nicht alles, was anscheinend jahrelang bei anderen Haltern funktioniert, muss auch wirklich gut sein!

Auch tierartliche Unterschiede machen deutlich, dass sie nicht zusammengehören:

  • Das Bedürfnis nach Körperkontakt ist völlig unterschiedlich. Kaninchen kuscheln gern miteinander, lecken sich oft gegenseitig ab und schlafen oft aneinander gekuschelt. Meerschweinchen leben eher auf Distanz, lecken niemals ihre Artgenossen ab und schlafen meist einzeln.

  • Kaninchen lieben erhöhte Plätze, von wo aus sie eine gute Rundumsicht haben. Meerschweinchen suchen immer am liebsten schützende Ecken bzw. Höhleneingänge auf.

  • Kaninchen graben gerne und sind Höhlenbewohner. Meerschweinchen halten sich gerne in Mulden oder am Eingang von Häuschen bzw. Höhlen auf.

  • Kaninchen sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Meerschweinchen sind teilweise tagaktiv und schlafen gerne in geschützten Ecken.

  • Kaninchen springen und rennen gerne, Meerschweinchen huschen eher von Unterschlupf zu Unterschlupf.

  • Auch wenn beides Fluchttiere sind, sind Kaninchen doch aggressiver und greifen auch mal an. Meerschweinchen flüchten sofort.

Die vermeintliche ideale Partnerschaft entsteht nur aus großer Einsamkeit, weil kein eigener Artgenosse da ist, und weil sie auf engem Raum darauf angewiesen sind, miteinander auszukommen.

Es konnte in sogenannten Wahlversuchen gezeigt werden, dass Meerschweinchen die die Möglichkeit hatten zu einem Artgenossen zu gelangen, zu etwa 90% die Nähe eines Artgenossen bevorzugten, und Meerschweinchen, die nur die Möglichkeit hatten zu einem Kaninchen zu gelangen, zum größten Teil lieber alleine blieben.

Man kann Kaninchen und Meerschweinchen miteinander halten, aber nur, wenn es von jeder Tierart mindestens zwei Tiere sind und sie eine ausreichend große Fläche zur Verfügung haben.

Einzelhaltung (ob ein Tier alleine, oder von jedem Tier ein einzelnes) ist weder art- noch tiergerecht!

Quelle: u.a. Tierschutzbund Böblingen e.V., C. Jacob Tierschutzberaterin


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