TIERARZT Dr. R. MICHLING
Tierärztliche Praxis für Kleintiere und Pferde

 


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Arthritis und Arthrose

Tel.: 04421 773770
Fax: 04421 773771

Die Gelenksveränderungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen beim Hund. Die am häufigsten betroffenen Knochen und Gelenke sind Hüfte, Knie, Ellbogen, Schulter und Wirbelsäule. 

Definition

Arthrose

Die Arthrose ist eine chronische, degenerative aber nicht entzündliche Gelenkerkrankung. Deren entzündliche Komponente wird den degenerativen Veränderung des Knorpels zugeschrieben.

Arthritis

Die Arthritis (Gelenksentzündung) ist eine degenerative Gelenkerkrankung, auch bezeichnet DJD (degenerative joint disease). Bei der Arthritis kommt es zu einer verdickten Gelenkkapsel durch die ansteigende Produktion der Gelenksflüssigkeit. Eine fortschreitende Arthritis führt zu einer Knorpelschädigung und zu einer aufgerauten Oberfläche des Knochens, die bei jeder Bewegung starke Schmerzen verursacht.

Ursachen

Für Knorpelschäden und den daraus resultierenden akuten Gelenkentzündungen (Arthritis) und chronischen Gelenkschäden (Arthrosen) gibt es viele Ursachen. Entweder ist die mechanische Belastbarkeit vermindert, d. h. die Belastungen sind normal, aber der Knorpel ist zu schwach:

  • genetische Ursachen (HD, OCD)
  • zu langsame Knorpelbildung bei schnellwüchsigen, großen Hunderassen
  • unzureichende Ernährung des Knorpels durch die Synovialflüssigkeit (Gelenksflüssigkeit)
  • Abnutzungserscheinungen im Alter

oder der Knorpel ist ursprünglich normal, aber die Belastungen übersteigen das normale Ausmaß:

  • Traumata und Verletzungen
  • übermäßiger Abrieb des Gelenkknorpels durch erhöhte oder sogar extreme Belastung - Fehlbelastungen der Gelenke durch Treppensteigen
  • anatomische Besonderheiten
  • Übergewicht (Adipositas) oder falsche Ernährung bereits im Welpenalter
  • lange Gelenkimmobilisierung (z. B. Verband über 3 Wochen)

Krankheitsverlauf

Durch Schädigung des Knorpels kommt es zu Substanzverlust des Gelenkknorpels und zu Entzündungen der Gelenkkapsel und der sich anschließenden , sehr empfindlichen Knochenhaut. 

Eine reaktiv vermehrte Gelenkfüllung (Erguss, Hydrops) und Knochenveränderungen (Auf- und Abbau) treten auf. 

Die Gelenkkapsel verdickt sich faserig. 

Im Endstadium kann es sogar zu vollständigen Versteifung (Ankylosierung) des Gelenkes kommen.

Die immer stärker werdenden Schädigungen des Knorpels und die veränderte Beweglichkeit (Biomechanik) des Gelenkes unterhalten die Entzündungsvorgänge.

Diese verursachen, vermittelt über Rezeptoren in der Gelenkinnenhaut, starke Schmerzen.

Lahmheit und/oder Bewegungsunlust führt wiederum zur Verminderung der Muskelmasse (Muskelatophie) und zur Kapselschrumpfung.

Dies kann wieder eine weitere Schädigung des Knorpels durch Kompression der Gelenkflächen nach sich ziehen.

Ist der Knorpel bis in die tiefe geschädigt, kann keine vollständige Heilung mit gleichwertigem Gewebe (Regeneration) mehr stattfinden, sondern lediglich der Aufbau eines Ersatzgewebes (Reparation).

Krankheitsformen

Man unterscheidet verschiedene Krankheitsbilder, je nach betroffenen Knochen oder Gelenken:

  • Hüftgelenkdysplasie (HD)
    Krankhafte Veränderung der Hüfte (häufigste Form der Gelenkerkrankungen beim Hund)
  • Knie-Arthritis
    Der Riss des Kreuzbandes (cranial cruciate ligament CCL) ist eine häufige Folge der Knie Arthritis. Das Kreuzband ist eines von fünf Hauptbändern des Kniegelenks die es stabil halten. Durch ein Trauma oder Überbelastung des Knies kann das Band partiell oder komplett reißen und Lahmheit bzw. eine fortschreitende Arthritis verursachen.
  • Osteochondritis dissecans (OCD) und Arthritis der Schulter
    OCD ist eine Krankheit von jungen Hunden, bei denen die normale Knorpelbildung gestört ist. In der Schulter, bewirkt das eine Schädigung der Knorpelschicht der Gelenkoberfläche, sie löst sich ab. Die Knorpelstruktur verursacht eine raue Oberfläche des Knochens und führt zu Bewegungsschmerzen. Mit der Zeit entsteht unweigerlich eine Arthritis. Die meisten Hunde zeigen die ersten Symptome im Alter zwischen 4 und 8 Monaten. Hündinnen sind häufiger betroffen als Rüden.

  • Ellbogengelenksdysplasie (ED)
    Krankhafte Veränderung des Ellbogens
    Der Ellbogen ist ein komplexes Gelenk mit drei beteiligten Knochen: Humerus, Radius und Ulna. Ellbogen Dysplasie kann eine Vielzahl an unterschiedlichen orthopädischen Veränderungen hervorrufen, einschließlich des  (ununited anconeal process UAP), fragmented coronoid process (FCP) und osteochondrosis dissecans (OCD). Die Auswirkung dieser drei Erkrankungen, egal ob zusammen oder einzeln, ist eine schmerzhafte Lahmheit der vorderen Gliedmaße und anschließender Arthritis

  • Spondylarthritis / Spondylarthrose
    Die Spondylarthritis ist eine Arthritis der hinteren Rückenwirbel. Gelenksentzündungen an den Rückenwirbeln beeinträchtigen die normale Bewegung der hinteren Wirbelsäule. Sie führen nur dann zu klinischen Beschwerden (Schmerzen), wenn die abgehenden Nerven durch die knöchernen Zubildungen eingeengt werden.
  • Fragmentierter Processus anconaeus (IPA)
  • Fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae (FCP)

Krankheitssymtome

Anzeichen von Erkrankungen des Bewegungsapparates können sein:

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen
  • springt nicht mehr ins Bett, ins Auto, auf das Sofa
  • steigt nur unwillig Treppen
  • läuft langsamer möchte sich nicht mehr so bewegen - sind nicht mehr so vital
  • Lahmheit (nach langem liegen oder starker Belastung) - veränderter Bewegungsablauf
  • Leckekzem ("Hot Spot") über dem betroffenen Gelenk
  • Berührungsempfindlichkeit an den betroffenen Gelenken
  • verändertes Verhalten z.T. auch Aggression.

Die Symptome werden häufig erst spät erkannt, da die Tiere mit fortschreitender Arthrose auch oft schon älter sind, und die Bewegungsunlust daher dem zunehmenden alter des Tieres zugeschrieben wird.

Diagnose

Das erkrankte Gelenk ist bei Manipulationen schmerzhaft, die Bewegungsfähigkeit ist oft eingeschränkt oder bei einer Gelenksinstabilität extrem vermehrt. Häufig zeigt sich eine Muskelatrophie, die zeigt, dass die Muskulatur der betroffenen Gliedmaße schon länger nicht mehr vollständig benutzt wird.

Die endgültige Diagnose wird i.d.R. durch Röntgenaufnahmen gestellt.

Therapie

Erkrankte Tiere werden zeitlebens mehr oder weniger Beschwerden mit den erkrankten Gelenken haben - Arthrose ist nicht heilbar.

Ziel der therapeutischen Maßnahmen soll sein:

  • die Lebensqualität wieder zu steigern
  • Schmerzen zu lindern
  • das Fortschreiten der Arthrosen durch geeignete Therapie zu verhindern

Es stehen verschiedene therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung, deren Einsatz im Einzelfall abgewogen werden muss:

Um den Verlauf aus Schmerzen, weniger Bewegung und Zunahme der Arthose zu durchbrechen, müssen Analgetika (Schmerzmittel) eingesetzt werden.

Medikamente

Man unterscheidet drei Arten von Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkmechanismen:

  • Analgetika (Schmerzmittel)
    steroidale Entzündungshemmer (SAID) und nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID) die eine schnelle symptomatische Wirkung haben.
    Bei akuten Schmerzschüben, um selektiv den Schmerz und die Entzündung zu bekämpfen. Kortikoide (SAID) wirken zwar auch schmerzstillend und entzündungshemmend, unterstützen jedoch nicht die Synthese der Knorpelmatrix.
    Ideal ist eine Dauertherapie mit konstant niedriger Dosis im Gegensatz zur Intervallbehandlung mit höher Dosierung bei akuten Beschwerden und erhöhter Gefahr an Nebenwirkungen.
  • Chondroprotektiva (Ergänzungsfuttermittel)
    Glukosaminoglykane (GAGs) werden aus der Grünlippenmuschel gewonnen. Sie fördern die Reparation des Knorpels.
    Sie werden alleine oder in Kombination mit Schmerzmitteln, als Dauertherapie oder in Intervallen verabreicht.
  • Disease Modifying Osteoarthritis Agents (DMOA)
    Symptomatische wie auch chondroprotektive Eigenschaften. Wirken auf Schmerz und Entzündung mit Verzögerung (bis zu 3 - 4 Wochen nach Verabreichung)

Akupunktur

Die Akupunktur ist die älteste Form der Schmerzausschaltung, sie kann mit Akupunkturnadeln erfolgen, aber auch durch Einsatz von Akupunkturlasern.

Goldakupunktur

Die Goldakupunktur bzw. Goldimplantation ist eine Sonderform der Akupunkturbehandlung. Anstelle von Akupunkturnadeln , die nur zeitlich begrenzt Schmerzen unterdrücken können, werden 24-karätige , kleine Goldstücke mittels Kanülen in bestimmte Akupunkturpunkte abgelegt. Diese Goldstücke bewirken eine "Dauerakupunktur", die Schmerzen werden dadurch gelindert und der Hund läuft beschwerdefrei. Dieser einmalige Eingriff findet unter Narkose statt und wirkt i.d.R. ein Leben lang. Die Stücke verbleiben nachgewiesenermaßen am Implantationsort.

Chirurgische Maßnahmen

Bei krankhaften Veränderungen der Hüfte (HD) können auch operative Maßnahmen in Betracht kommen, z.B.:

  • Femurkopfresektion
  • Pectineus-OP
  • künstliche Gelenke

In jedem Fall ist eine frühzeitige und dauerhafte Behandlung ist für den Therapieerfolg von besonderer Bedeutung.

Weitere Maßnahmen

Gewichtskontrolle

Halten Sie Ihren Hund auf Idealgewicht, um die Gelenke nicht zusätzlich zu belasten. Bei übergewichtigen Tieren sollte eine Gewichtsreduzierung angestrebt werden.

Kontrollierte Bewegung

d.h.:

  • Treppen gehen vermeiden
  • bewegen Sie Ihren Hund regelmäßig, aber überfordern Sie ihn nicht, d.h. kurze Spaziergänge mit längeren Pausen
  • keine Gegenstände werfen, die der Hund apportieren muss (zu starke Belastung der Vordergliedmaßen beim plötzlichen abstoppen)

Prävention

Prinzipiell sollte gerade im jungen Alter auf eine geeignete Ernährung (bereits im Welpenalter) und Bewegung geachtet werden, um zu schnelles Wachstum und eine Überbelastung der Gelenke zu verhindern.

Bei jungen Hunden sollte man hohe Dauerbelastungen oder zu intensives Training in der Hauptwachstumsphase (bis zum 7. Monat) vermeiden.

Eine weitere Möglichkeit, den Gelenkknorpel zu unterstützen, ist die Gabe von Ergänzungsfuttermitteln (Chondroprotektiva), diese enthalten vorwiegend Extrakte der neuseeländischen grünlippigen Muschel. Sie dienen der Ernährung des Gelenkknorpels - sie unterstützen die Regulierung, Stabilisation und Regeneration von Knorpeln, Bändern und Sehnen.

Achtung:
Eine eine exzessive Calcium-Fütterung und vermehrte Vitamin D3-Zufuhr führt zu skelettären Wachstumsstörungen.

Fazit

Um die Lebensqualität von Arthrosepatienten nachhaltig zu verbessern, müssen alle Therapiemethoden langfristig - am besten lebenslang - eingesetzt werden.

13.10.2006

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